Kasuslehre
Siebter Kasus - Lokativ
02.09.2011 - 16:59

Der Lokativ (von lat. locus : Ort) ist ein alter Kasus des Lateinischen, der Angaben über den Ort oder die Zeit macht. Dessen Funktion wurde beinahe vollständig vom Ablativ übernommen (siehe Ablativus loci und temporis).



Zur Ortsangabe ist der Lokativ erhalten:
  • in den Städten der A- und O-Deklination im Singular, endend auf -i bzw. -ae und wird benutzt, sofern die Städte attributslos sind.

    Romae, Brigantiiin Rom, Brigantium


    Wird die Apposition einer Stadt mit Attribut versehen, erhält sie eine Präposition und wird hinter die Stadt gestellt:

    Corinthi, in oppida Graecain Korinth, einer griechischen Stadt



  • in domus, rus und humus, nämlich domi (zu Hause), ruri (auf dem Land) und humi (auf dem Boden).

    Tritt zu domus allerdings ein Attribut, wird der Ablativ mit einer Präposition verwendet:

    in vetere domoim alten Haus


    Gibt das Attribut den Besitzer an, wird weiterhin der Lokativ benutzt:

    domi principis, meaeim Haus des Kaisers, in meinem Haus



    Ergänzendes:

    1.) Selten finden sich animi (in der Seele) und vicini ae (in der Nachbarschaft).

    2.) Auch hic (hier), ibi, illi (dort) und for is (draußen) sind (adverbiell erstarrte) Lokative.



Zur Zeitangabe ist der Lokativ erhalten in:

herigesternlucibei Tag
vesperiabendsnoctunachts

seltener:
belli


im Krieg


militiae


im Krieg







Weiterführendes:

Schlägt man Deutsche Grammatiken auf und springt in die Kasuslehre findet man den Nominativ, den Genitiv, den Dativ und den Akkusativ. Den Lokativ gibt es im Deutschen nicht - möchte man zumindest annehmen. In Zeiten des Internets, des Chats und der Kurzmitteilungen ist eine interessante Erscheinung zu beobachten, die wohl auch durch Einflüsse der Migration entstanden ist. Jeder kennt Sätze wie: ich war Aldi oder kommst du Kino? oder lasst uns Disco gehen. Während man derartige Sätze anfangs schlicht noch als grammatikalisch falsch oder Ausländersprache abgetan hat, ist sich heute, da sie zur Genüge vorhanden sind und auch von vielen Einheimischen benutzt werden, zu fragen, ob sich zu unserer Sprache nicht ein neuer alter Kasus gesellt hat. In diesen Sätzen wird durch ein präpositionsloses Substantiv eine Ortsangabe gemacht. So ist Aldi in ich war Aldi nicht als Prädikatsnomen wie Sieger in ich war Sieger, wo Sieger im Nominativ steht, sondern im Sinne von ich war bei Aldi, wobei Aldi hier im Dativ steht, anzusehen. Man könnte derartige Erscheinungen also als eine Art deutschen Lokativ bezeichnen.




Imperator


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